Juist im Herbst und Winter
2011 - Insel Juist
Herbst oder Winter auf einer Nord- oder Ostseeinsel ist eine wahre Wohltat und eine komplette Erholung. Denn laut Oscar Wilde gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung.
Also warme regenfeste Jacke eingepackt, denn dieses Mal geht es auf die Nordseeinsel Juist:
Sie ist eine Sandinsel, 17 Km lang und 500m breit. Der Name erscheint zum ersten Mal 1398 in einem Dokument. Auf Grund wissenschaftlicher Untersuchungen dürfte sie ca. 2.000 Jahre alt sein. Der Name ist wahrscheinlich vom friesischen Wort „güst“ = unfruchtbar abgeleitet. Die Insel nennt sich heute „ Töwerland“ = Zauberland.
Nach dem Abendessen dann noch ein Abendspaziergang auf der Strandpromenade, die weit oberhalb des Strandes wie eine Schneise durch die weißen Dünen führt. Strand und Wasser sind dort nur an den Stellen zu sehen, wo ein Weg hinunter zum Strand führt. Oder von den Plätzen des Promenadenlokals, wo man seinen Kaffee trinkt oder bei einem Cocktail den Sonnenuntergang bewundert.
Die Insel ist Auto-frei. Rund 100 Pferde übernehmen den Transport von Mann und Maus. Das riecht man auch, denn ihre „Hinterlassenschaften“ bleiben liegen und treten sich breit :-)
Dem zentralen Ort, in dem die Fähre sie am Hafen ausspuckt, schließen sich nach Westen die Ortsteile „Siedlung“ und „Loog“ an. Der Name Loog ist friesisch und bedeutet einfach „Dorf“. Loog ist die älteste Ansiedlung auf der Insel und war lange Zeit das einzige „Dorf“.
Laufen ist das Motto, also ab geht´s mit kräftigem Gegen-Wind auf dem Deich entlang, Richtung Flughafen, und dann durch die wunderbaren Dünen, die das Rückrat der schmalen Insel bilden. Diese besonderen Sandwälle, die durch die Naturkräfte von Wasser und Wind angehäuft wurden, sind beiendruckend und man kann verstehen, dass sie einen besonderen Schutz brauchen. Also immer schön auf den Wegen bleiben, denn Dünenschutz ist aktiver Inselschutz. :-)
Die Goldfischteiche, die 1903 auf Initiative des Juister Biologen Dr. Otto Leege angelegt wurden, sind renaturiert worden und ich konnte sie nun in ihrer vollen Schönheit genießen.
Der Otto – Leege – Lehrpfad, in den Juister Ostdünen zwischen der Wilhelmshöhe und den Goldfischteichen gelegen, ist ein ökologisch-künstlerisch gestalteter Weg, dessen Ziel es ist, dem Begeher die Natur einer Düneninsel mit ihren komplexen Zusammenhängen näher zu bringen. Von einer Aussichtsplattform an der Flugplatzstraße aus, die einen weiten Blick über Salzwiesen, Watt und Festlandsküste gestattet, führt er über die Jaguar-Straße zu den Goldfischteichen und durch ein Holztor zu einer Hütte, in der das Leben und Werk des Biologen Dr. Otto Leege (1862-1951) dargestellt sind. Von dort geht man durch eine typische Dünenlandschaft bis hinauf zu den nördlichen Randdünen, von deren Kamm aus der Strand und die Nordsee zu sehen sind.
Weiter ging es über den Strand, der herrlich feinsandig ist. Er ist völlig frei von Buhnen (den Bauwerken des Küstenschutzes) und bietet dadurch eine totale Bewegungsfreiheit. So konnte ich laufen und laufen und laufen, mal knirschten die Muscheln unter meinen Schuhen, mal lief ich im nassen Sand, mal sackte ich in „aufgehäuften Sandbergen“ tief ein – und der Wind pustete mir die Gedanken aus dem Kopf. Herrlich!!!
Zwischen Loog und Bill im Osten liegt ein Süßwassersee, der einmalig ist auf den ostfriesischen Inseln. An dieser Stelle zerriss eine Sturmflut 1651 die Insel in zwei Teile, die erst im vergangenen Jahrhundert durch den Bau eines Dünendeiches wiedervereinigt wurden. 1932 durchbrach eine Sturmflut den Wall und füllte die südlich davon gelegene Hammerbucht. Der See war entstanden. Das Salzwasser wandelte sich im Lauf der Zeit in Süßwasser um. „Hammer“ heißt im friesischen „Wiese“. Der Name erinnert an das dort früher gelegene Grünland des ersten Ortes.
Die Bill ist das Westende der Insel. Der Name ist vermutlich vom friesischen Namen Bill mit der Bedeutung „Gesäßbacke“ abzuleiten. Die ausgeprägte runde Form des Sandkopfes ist hierfür ein guter Beweis.
Juist, der Ort, hat einen Kurplatz im Zentrum. Hier trifft man sich, wenn die Geschäfte geöffnet haben. Man sitzt gemütlich im Café, oder schlendert durch die Läden. Kauft eine Postkarte oder leckere Sanddornmarmelade.
Juist hat auch einen Flugplatz, er liegt am östlichen Ende der Insel, ca. 4 KM vom Ortskern entfernt. Hier endet die Straße. In einem gemütlichen Café kann man warten, plaudern oder dem Flugverkehr zuschauen. Täglich gibt es Personen- und Gütertransporte. Geflogen wird während des ganzen Jahres, jedoch nur bei Sichtflugbedingungen.
Der Flug von Juist zurück nach Norddeich war das abschließende Highlight des erholsamen Aufenthaltes auf der Insel.
45 Minuten mit dem Pferdetaxi bis zum Flughafen – es wurden Gäste aus weiteren Hotels abgeholt - . Einchecken in einem kleinen Raum, in dem zwei Passagiere stehen konnten, Koffer auf einen Gepäckwagen legen und kurz warten bis alle eingecheckt sind.
Dann ein paar Schritte bis zur Maschine, die Koffer werden verstaut und dann kann man einsteigen. Die Maschine hat 8 Plätze, immer zwei nebeneinander und in zweier Plätzen hintereinander. In der ersten Reihe hat ein Platz der Pilot, neben ihm sitzt schon der erste Gast.
Alle anschnallen, der Pilot bedient ein paar Knöpfe und Kippschalter, der erste Propeller wird eingeschaltet, der zweite folgt, nachdem der erste gut läuft und ab geht´s. Vor der Kurve zur Startbahn wird ordentlich Gas gegeben und beschleunigt und nach der Kurve steigt er auch schon hoch. Herrlich!!
Nach 5 Minuten Flug landen wir in Norddeich. Ein Taxi wartet schon um uns zum Parkplatz in Norddeich zu bringen, wo es mit dem Auto wieder nach Hause geht.
Juist – liebenswertes Dorf und modernes Nordseeheilbad? Beides wird von den Insulanern gut unter einen Hut gebracht. Auf der Insel stehen etwa 500 Häuser, darin leben ca. 1800 Einwohner. 111.000 Gäste besuchen während eines Jahres die Insel.
Der Gesundheitswert eines Inselurlaubs steht heute außer Frage.
Die Luft ist extrem staubfrei, von hoher Feuchte und damit ausgesprochen wohltuend für Allergiker. Ein geradezu therapeutischer Bereich ist die Brandungszone. Hier entsteht Aerosol, ein ganz feiner Salznebel, der die Atemwege reinigt.
Ganz genau setzt sich die Luft folgendermaßen zusammen: 78% Stickstoff, 21% Sauerstoff und 1% Argon. Weiter aus Kohlendioxid, kleinen mengen Helium, Krypton und Xenon und einem ungewöhnlich hohen Anteil von Jod, Salz und Brom sowie Spurenelementen von Eisen, Phosphor und Kobalt.
Das alles wird jedem Gast ohne Aufpreis geboten. Ankommen – Luft holen – sich fallen lassen – wohlfühlen. Der Erholungswert ist garantiert, vor allem, wenn Sie zu allem noch eine Yogapraxis hinzufügen, wie wir sie bei unseren Aufenthalten anbieten.
Die Nebenwirkungen sind herrlich. Man schläft wie ein Bär und fühlt sich „zum Bäume ausreißen“.
Ihre Ilona Tertilt / Oktober 2011




